Ohne Messi und CR7 geht nichts! Juventus und Barca im Krisenmodus

via Sky Sport Austria

Mit zwei Pünktchen auf dem Abstiegsrang: Juventus hat einen historisch schlechten Saisonstart hingelegt. Die Beteiligten sind ratlos. Ähnlich wie bei Barca, wo angeblich bereits der Rauswurf von Trainer Koeman gehandelt wird. Die ideenlosen Auftritte beider Teams zeigen, dass sie ohne ihre Star-Spieler Ronaldo und Messi nur wenig zustande bringen.

“So gewinnt man keine Titel”, schimpfte Juve-Trainer Massimiliano Allegri nach dem Remis gegen den vermeintlichen Titelkonkurrenten AC Milan am vergangenen Sonntag. Und er hat Recht. Denn die bittere Wahrheit aus Sicht des italienischen Rekordmeisters lautet: Von einem Titel oder geschweige denn dem oberen Drittel der Serie A ist man in Turin gegenwärtig vielleicht so weit entfernt wie seit langer Zeit nicht mehr.

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Mit zwei Punkten aus vier Spielen steht Juventus weit abgeschlagen von sämtlichen Titelambitionen auf dem 18. Rang – der schlechteste Saisonstart seit 1961. Die “alte Dame” geht derzeit am Stock – und beim Blick auf die Ursachen dieser Krise kommt man fast nicht am Abgang eines gewissen Cristiano Ronaldos vorbei.

“Juves Schwäche in der Post-Ronaldo-Ära ist offenkundig”, titelte auch der italienische Corriere dello Sport. Doch wäre es nicht ein wenig leicht, die fußballerischen Turbulenzen einzig und allein am Wechsel von CR7 festzumachen?

Ronaldo als Tor-Garantie

Immerhin verfügt Juventus grundsätzlich auch weiterhin über einen Kader von bestechender Qualität – auch in der Offensive. Mit Paulo Dybala, Alvaro Morata oder auch Federico Chiesa hat Juve einen namhaften Angriff, der aktuell allerdings auf Formsuche verweilt. Vier Tore in vier Partien. Von einem Offensiv-Feuerwerk kann bislang definitiv nicht die Rede sein. Fakt ist auch, dass Ronaldo in den vergangenen Jahren so etwas wie die Tor-Garantie war.

29 Tore in der Saison 2020/21, 31 Tore 2019/20 und 21 Erfolge 2018/19. 81 Tore allein in der Liga, mit denen sich Ronaldo in jeder seiner Saisons zum Top-Torschützen der alten Dame schoss.

Der Last-Minute-Verkauf des Portugiesen kurz vor dem Deadline Day verhinderte dabei zudem nicht nur die Verpflichtung eines Ersatzes, sondern schmiss auch die bisherige Offensivtaktik über den Haufen. Coach Allegri hätte womöglich ganz anders planen können, wäre Ronaldo Anfang Juli gewechselt. Sein Abgang macht sich schon früh schmerzlich bemerkbar – Dabei drückt der Schuh nicht nur vor dem gegnerischen Kasten.

Anfällige Defensive und grobe individuelle Fehler

Auch die Abwehr ist mit den beiden Dinos Leonardo Bonucci und Giorgio Chiellini zwar immer noch namhaft aufgestellt, doch auch sie verdeutlicht, dass die langjährigen Automatismen bei Juve derzeit schlichtweg nicht greifen. Seit ganzen 18 Spielen wartet Allegris Team auf eine Partie ohne Gegentor – das sei in diesem Zeitraum keinem anderen Verein in den europäischen Top-Ligen passiert, wie die italienische “Gazzetta dello Sport” vorrechnet.

Hinzu kommen ungewohnt grobe individuelle Fehler, die die Bianconeri in dieser Spielzeit bereits häufig um wichtige Punkte gebracht haben. “Es gibt Momente im Spiel, in denen man gewisse Fehler nicht machen darf”, weiß auch Allegri.

Ebenso das Gegentor in der Begegnung mit Milan durch Ante Rebic fiel auf unnötige Art und Weise. Nach einer Ecke konnte der Ex-Frankfurter sträflich frei einköpfen, obwohl Torhüter Wojciech Szczesny Adrien Rabiot zuvor lautstark anwies, er solle Rebic unter keinen Umständen aus den Augen verlieren. Im ersten Saisonspiel, beim 2:2 gegen Udinese Calcio, war es hingegen Szczesny selbst, der bei beiden Gegentreffern eine äußerst unglückliche Figur machte. Allegris düsteres Fazit: “Wenn man so viele einfache Fehler macht, kann man keine Titel gewinnen.”

Eine Saison des Umbruchs

Nach dem Abgang Ronaldos und dem katastrophalen Start steht der alten Dame damit fast zwangsläufig eine Saison des Umbruchs bevor. Auch, weil der Verein zuletzt für das Geschäftsjahr 2020/21 ein Minus von rund 210 Millionen Euro bestätigte, muss die Strategie für die kommenden Monate lauten: Die eigenen Talenten weiter fördern, ihnen Einsatzzeiten geben und mit ihnen zusammen eine wettbewerbsfähige Mannschaft formen – damit sich Juventus auch noch in den kommenden Jahren als europäischer Top-Klub bezeichnen darf.

Die nächste Generation steht dafür bereits in den Startlöchern, die nötige Qualität ist bei Juve trotz CR7-Abgang vorhanden. Spieler wie der angesprochene Chiesa, Manuel Locatelli, Dejan Kulusevsi, Weston McKennie oder Moise Kean könnten in dieser Spielzeit zu echten Diamanten geschliffen werden. Geduld wird für Verantwortliche und Fans dabei zum A und O – schwer bei einem derart erfolgsverwöhnten Umfeld.

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Koeman: “Das Barca von heute ist nicht das Barca von vor acht Jahren.”

Ähnlich wie bei Juventus trägt es sich momentan auch beim FC Barcelona zu. Zwar nicht so dramatisch, doch auch die Katalanen rutschen mehr und mehr in eine sportliche Krise. Sechs Tage nach dem schwachen 0:3 gegen Bayern im CL-Auftakt rettete sich das Team von Ronald Koeman gegen den FC Granada in der 90. Minute gerade noch zu einem Remis. Der Punktgewinn bedeutet aktuell den siebten Rang für Barca.

Auch die Blaugrana wirken bislang erschreckend harmlos, können kaum offensive Akzente setzen und fangen sich einfache Gegentreffer ein. Eine Frage Lionel Messis? Sein Abgang ist für Übungsleiter Koeman vor allem offensiv augenscheinlich nur schwer zu kompensieren.

Auf eine Frage nach dem für die Verhältnisse des Klubs unattraktiven Spielstil wurde Coach Koeman deutlich: “Sehen Sie sich die Kaderliste an: Wir haben getan, was wir tun mussten. Es gab keine Spieler für Tiki-Taka. Das Barca von heute ist nicht das Barca von vor acht Jahren.”

Wegweisende Wochen

Die Nerven liegen – ähnlich wie bei Juventus – blank, der Traditionsverein befindet sich in einer handfesten Krise. Zudem wird derzeit über die Entlassung von Coach Koeman spekuliert. Sollte sich in sportlicher Hinsicht nicht schleunigst etwas verändern, könnte der Niederländer schon bald von seinem Amt freigestellt werden. Hinzu kommt ein gigantischer Schuldenberg, der den Verein auch abseits des Rasens plagt.

Und so lässt sich sowohl bei Juventus als auch bei Barcelona deutlich erkennen, dass die Abgänge Ronaldos und Messis große Löcher hinterlassen haben. Auf der anderen Seite ist ein echter Umbruch im Sommer ohne die beiden Superstars bislang alles andere als geglückt. Juve und Barca befinden sich in wegweisenden Wochen. Von Titeln und Trophäen sollte bei beiden Teams vorerst nicht geträumt werden – die Traditionsvereine straucheln.

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(Lennard Göttner – skysport.de)

Bild: Imago